Kommunikation
Einsatzbericht von Amanda Blair
Gründerin/Eigentümerin von abpr, Zug, Switzerland
Polytechnic of Namibia, Windhoek
28. März – 15. April 2011
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LvW
Je nachdem, welchem Beruf oder welchen Interessen man nachgeht, könnte die Abkürzung LvW verschiedene Bedeutungen haben – für mich heisst es ‘Leben vor Windhoek’. Die Vorbereitungen für meinen Einsatz am Polytechnic of Namibia lassen sich grob in zwei Kategorien einordnen. Meine Hauptaufgabe bestand darin, einen drei wöchigen Kurs über Web Kommunikation durchzuführen (als Teil des Bachelor of Communication assessed work) dessen Abschluss die Neugestaltung der Website der Kommunikations-Abteilung darstellte. Ergänzend kamen Vorlesungen über Interkulturelle und Professionelle Kommunikation für Studierende aus verschiedenen Studienrichtungen, von Personalwesen bis Maschinenbau, dazu.
Es war schwierig, aus der Ferne den Ausbildungsstand und die Kenntnisse der Studierenden in Bezug auf elektronische Medien und Schriftsprache zu erfassen, deshalb entschied ich mich für modular aufgebauten Kursinhalt, welcher sich vor Ort einfach anpassen liess. Ausserdem habe ich mich mit genügend Fallbeispielen aus der Praxis ausgerüstet, um das Gelernte zeigen und erzählen zu können.
Die Erfahrung
Innerhalb weniger Stunden nach meiner Ankunft wurde ich Willkommen geheissen und ins lokale Team meiner Co-Dozierenden integriert. Sie brachten mir den perfekten Mix aus Neugier, Herzlichkeit und Offenheit entgegen. Ich wurde von Anfang an wie eine vertraute Kollegin und nicht wie eine Besucherin behandelt. Unter umgekehrten Vorzeichen, wäre dies im europäischen Kulturkreis so schwer vorstellbar.
Die Erstellung einer Website ist eine sehr ambitiöse Aufgabe für Studierende, welche ausserhalb des Campus minimalen Zugang zu Computern haben. Sie haben diese Hürde aber mit ihrem kompromisslosen Interesse, Willen und Enthusiasmus genommen. Ihr ‘go for it’-Ansatz hat mich sehr beeindruckt und auf mich abgefärbt. Dies ermöglichte es mir, spontan Unterrichtsstoff auf neue Bedürfnisse anzupassen und z.B. die Rolle der Fotografin für Briefing Sessions zu übernahem und Bearbeitungs- und Interviewtechniken zu unterrichten. Die Job Beschreibungen, welche ich in Web-Agenturen zu Hause gefunden habe, verhalfen zu realitätsnahen Situationen und vermittelten zudem Fähigkeiten in Teamwork und Projekt-Management. Nach ein paar langen Nächten und angespannten Momenten konnten wir den Termin der Fertigstellung einhalten, was für alle Beteiligten ein emotionaler und stolzer Höhepunkt war.

Ein weiterer Höhepunkt und Gelegenheit für intensiven Wissensaustausch waren Vorlesungen über europäische, interkulturelle Fragen, welche ich halten durfte. Es entstanden faszinierende Debatten über Wertvorstellungen, Verhalten und Trends, immer basierend auf realen Fallbeispielen und auf die auf lokale Verhältnisse angepassten, globalen Werbekampagnen und Geschäfts-Etikette. Von einer Gruppe habe ich sogar Hausaufgaben erhalten. Ich wurde gebeten, zu Hause die hohe Scheidungsrate in Europa anzusprechen und den Vorschlag zu
machen, dass Eheschliessungen vermehrt arrangiert werden sollten. Ich muss zugeben, dass ich diese Pendenz noch immer auf meiner Pendenzenliste habe.
Auswirkungen
Wenn ich halb so viel beitragen konnte, wie mir die Erfahrung am Polytechnic of Namibia gegeben hat, bin ich sehr glücklich. Ich habe gelernt, rasch zu Plan B überzugehen, statt an Plan A festzuhalten. Ich spürte die unglaubliche Kraft des direkten Wissensaustausches, lernte die wahre Bedeutung von ‚wo ein Wille ist, ist auch ein Weg‘ kennen. Ich schaffte es auch auf einem Bein, Flamigo-Stil eine Vorlesung zuhalten und gleichzeitig den Stecker meines Laptop in die Dose zu stecken und zu halten, um die Stromzufuhr zu gewährleisten.
Der intensive Kontakt mit Dozierenden auch nach meinem Einsatz macht den Einsatz nachhaltig und öffnet Türen. Diese Beiträge variieren von Vorschlägen betreffend Prüfungsfragen bis zur Entwicklung zukünftiger Kurse.
Der Empfang und das Feedback, welches ich von den Studierenden und Dozierenden erhalten habe, berührten mich und haben meinen Entschluss bestärkt, dass dieser nicht mein einziger Einsatz in Namibia war.
P.S Die Landschaft Namibias ist (beinahe) so schön wie seine Menschen.
In Namibia scheinen sogar die Vierbeiner neugierig, herzlich und offen zu sein.
Zug, Mai 2011
